Freitag, 16. Mai 2014

Doppelmoral

Die Tatsache, dass ich eine stark ambivalente Haltung zu mir habe macht mich zu meiner größten Kritikerin. Behaarter Körper, kurze Beine, breite Hüften, fette Beine. Habe ich als Kind zu viel gelogen?
An den kurzen Beinen kann man nichts ändern im Gegensatz zum Gewicht, weshalb ich anlässlich dessen kurzer Hand vergessen konnte mir darüber keine Gedanken mehr zu machen. Zudem ist ja jeder Körper schön und gut so wie er ist. Mit dem Gewicht meines Körpers habe ich mich abgefunden, doch werden die kurzen Beine mich daran hindern so auszusehen, wie ich aussehen möchte. Mein unproportionaler Körper trägt dazu bei mich selbst noch mehr zu hassen. Habe ich mich nur in den politischen Aktivismus gestürzt um mich mit den Problemen der anderen zu befassen, um meine zu vergessen oder zum leugnen zu können, dass ich mich akzeptieren kann, weil ich für Akzeptanz kämpfe. Sicherlich ist das der falsche Ansatz, denn jede Veränderung fängt bei einem selbst an. Warum fällt es mir so schwer mich selbst gut zu finden, denn einen Drang zum Perfektionismus habe ich nun mal wirklich nicht. Wann war das letzte mal, dass ich in den Spiegel schaute und  mir selbst sagen konnte: "Hey, du siehst perfekt aus!" ? Viel mehr verbinde ich meine Augen und gebe vor, es würde mich nicht interessieren wie ich aussehe oder was andere von mir halten. Doch tief im Inneren bin ich genau so ein Kind unserer Gesellschaft, ein Teil von dieser verlogenen Welt, die nur an Profit und Fortschritt orientiert ist. Während ich das hier schreibe, denke ich mir, dass ich mich über Luxusprobleme beschwere, denn schließlich gibt es Menschen die nichts mehr zu essen haben auf dieser Welt. Doch dabei ertappe ich mich wieder, dass ich mich versuche mit den Problemen anderer befassen möchte um von mir selbst abzulenken. Ich gehe unter in Selbsthass und dem Blick der Gesellschaft, sowie den Erwartungen mit denen sie mir unterschwellig die Luft zum Atmen nimmt.