Mittwoch, 15. Juni 2016

Baumübung oder wie ich mich in einen Baum verwandelte

Ich wurde geboren und verwandelte mich in einen Baum. Man schnitt mir die Arme ab und sagte ich solle mich auf das Wesentliche konzentrieren. So wuchs ich ohne Arme auf. Das Harz verklebte meine Wunden und obwohl die Narben über die Jahre mehr wurden wuchs ich weiter. Meine Wurzeln nährten mich mit viel Trauer und das Wasser was ich zu mir nahm war verschmutzt. Manchmal, wenn es regnete schaffte ich es das Gift aus mir auszuspülen, doch die Wurzeln vergessen nicht und nach und nach wurde ich morsch. Trotzdem wuchs ich. Bildete neue Äste und verliere jedes Jahr meine Blätter. Es ist absehbar dass ich irgendwann mal falle. Beim nächsten Gewitter zum Beispiel. Vielleicht schlägt auch irgendwann ein Blitz ein und gehe in Flammen auf. 
Manchmal glaube ich, dass alle Bäume mal Menschen waren. Einsame Menschen, die nicht mehr allein sein wollten. Die Schmerzen in der Brust waren nur Indizien dafür, dass sie Wurzeln treiben und die Äste sich ihren Weg durch Fleisch und Blut bahnen. Jetzt sind sie nicht mehr alleine, aber selbst wenn sie kommunizieren könnten, sie können nicht mehr weglaufen, sie können sich nicht mehr anlehnen. 
Bäume spenden Sauerstoff und Papier. Bäume geben aber nehmen nicht. Sie nehmen zumindest nur das was ihnen zusteht. Erschöpfte Menschen lehnen sich an Bäume, verliebte Paare verewigen sich. Doch wer sagt, dass ein Baum für ewig bleibt. Sie ritzen die Rinde ein und erwarten, dass man sich an ihrem Glück erfreut, ohne daran zu denken, dass diese Haut in die sie schneiden schon so oft verletzt wurde und dass hinter dieser Rinde ein verletzter oder vielleicht auch schon morscher Baum steckt. Ein Baum der einst mal ein einsamer, trauriger Mensch war, der keine Wahl hatte als sich in einen Baum zu verwandeln, weil die Haut des Menschen das alles nicht ertragen hätte. 

Montag, 13. Juni 2016

ich versuche und scheitere. zuneigung und liebesentzug ist mein tod.