Manchmal glaube ich, dass alle Bäume mal Menschen waren. Einsame Menschen, die nicht mehr allein sein wollten. Die Schmerzen in der Brust waren nur Indizien dafür, dass sie Wurzeln treiben und die Äste sich ihren Weg durch Fleisch und Blut bahnen. Jetzt sind sie nicht mehr alleine, aber selbst wenn sie kommunizieren könnten, sie können nicht mehr weglaufen, sie können sich nicht mehr anlehnen.
Bäume spenden Sauerstoff und Papier. Bäume geben aber nehmen nicht. Sie nehmen zumindest nur das was ihnen zusteht. Erschöpfte Menschen lehnen sich an Bäume, verliebte Paare verewigen sich. Doch wer sagt, dass ein Baum für ewig bleibt. Sie ritzen die Rinde ein und erwarten, dass man sich an ihrem Glück erfreut, ohne daran zu denken, dass diese Haut in die sie schneiden schon so oft verletzt wurde und dass hinter dieser Rinde ein verletzter oder vielleicht auch schon morscher Baum steckt. Ein Baum der einst mal ein einsamer, trauriger Mensch war, der keine Wahl hatte als sich in einen Baum zu verwandeln, weil die Haut des Menschen das alles nicht ertragen hätte.